Resilienzhäppchen 26 - Hummeln in meinem Garten
17. Juli 2026 | von Kerstin Pentermann
Menschen scheinen anderen Menschen gerne erklären zu wollen, wie ein erfolgreiches und vor allem produktives Leben auszusehen hat. Das liegt in unserer Natur. Und in der Politik gehört es inzwischen fast zum Alltag, Werte zu definieren.
Nur eines wird dabei oft übersehen: Wir sind nicht alle gleich.
Wir haben unterschiedliche Vorstellungen von einem erfüllten Alltag, unterschiedliche Talente und unterschiedliche Bedürfnisse – auch wenn es um Arbeitszeiten, Pausen oder Leistungsfähigkeit geht. Menschen sind keine Maschinen, die auf Knopfdruck funktionieren. Was wir wirklich brauchen, ist Anerkennung für das, was wir leisten, und die Gewissheit, aufgefangen zu werden, wenn wir einmal nicht mehr leistungsfähig sind.
Diesen Gedanken hatte ich heute Morgen um sechs Uhr, als ich in meinen Lavendelbeeten die Hummeln beobachtete. Das Faszinierende daran: Wenn eine Hummel müde ist, schläft sie einfach auf einer Blüte ein. „Meine“ Hummeln schliefen noch. Wenn sie aufwachen, machen sie ausgeruht weiter und sammelt erneut so viele Pollen, wie sie können. Kein Wettbewerb. Kein Vergleich. Kein schlechtes Gewissen.
Wollen wir wirklich in einer Gesellschaft leben, die von Leistungsdruck und Disziplinkommandos geprägt ist? Oder wünschen wir uns ein Miteinander, das von Zusammenhalt, Vertrauen und gegenseitiger Wertschätzung getragen wird?
Ein Sozialstaat lebt davon, dass Menschen ihren Beitrag leisten – nicht alle gleich viel, aber jeder nach seinen Möglichkeiten. Gemeinsam sorgen wir dafür, dass das Ganze funktioniert.
Meine Hummeln erinnern mich gerade jeden Morgen daran. Sie zeigen mir, dass jeder seinen eigenen Rhythmus hat. Dass Unterschiedlichkeit keine Schwäche ist, sondern eine Stärke. Wenn jeder – entsprechend seiner Talente und Veranlagungen – seinen Teil dazu beiträgt, den Honigtopf für alle zu füllen, profitieren wir am Ende gemeinsam.
Dann wird Leistung nicht nach Lautstärke oder Geschwindigkeit bewertet, sondern nach ihrem Wert für die Gemeinschaft.
Darüber diskutiere ich gerne. Als Lokalpolitikerin und vor allem als Resilienztrainerin. Denn Resilienz bedeutet für mich nicht, immer mehr leisten zu müssen. Resilienz im Staat aufzubauen, beinhaltet meiner Meinung nach, Bedingungen zu schaffen, unter denen Menschen ihre Stärken entfalten können – in ihrem eigenen Rhythmus und zum Wohle aller. Wie seht ihr das – und vor allem – wie lebt ihr eure Bedürfnisse im Alltag?
Herzlichst
Kerstin Pentermann
