Schokoladen-Käfer auf einer Porzellandose mit Blumenmuster und bunten Blüten im Hintergrund

Resilienzhäppchen 24 - Resilienz aus der Käferperspektive

11. Juni 2026 | von Kerstin Pentermann


Resilienz: Perspektivwechsel aus Käfersicht
„Schokoladenkäfer. Nach Bedarf portionierbar für den Rest des Jahres.“ Meine Antwort auf die Frage, was ich mir denn zum Geburtstag wünsche, kam schnell. Kurz vorher hatte ich diesen Text geschrieben:
Manchmal erscheinen uns Situationen im Leben unlösbar. Wir fühlen uns gefangen in einer bestimmten Szenerie, sehen keinen Ausweg. In solchen Momenten würde ich mich am liebsten wie ein Käfer auf den Rücken fallen lassen und alle sechs Beinchen samt Fühlern von mir strecken.
Doch so verständlich dieser Impuls auch sein mag – sich tot zu stellen hilft selten weiter. Im Gegenteil: Wer bewegungslos verharrt, macht sich nur zur leichten Beute für die Herausforderungen des Lebens.
Vielleicht ist es an eher an der Zeit, die Käferflügel auszufahren und die Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Aus der Luft erkennt man oft Dinge, die vom Boden aus verborgen bleiben. Neben der Asphaltfläche, auf der wir bisher immer nach Nahrung gesucht haben, könnte ein ganzes Blumenfeld liegen – voller neuer Möglichkeiten und Ressourcen.
Genau darin liegt ein wichtiger Aspekt von Resilienz: die Fähigkeit, den Blickwinkel zu verändern.
Natürlich ist das leichter gesagt als getan. Eine Niederlage anzunehmen erfordert Mut. Loszulassen, was nicht funktioniert hat, fällt oft schwer. Doch häufig entsteht gerade dort etwas Neues, wo eine alte Möglichkeit endet.
Vor allem emotionale Verletzungen leiten oft einen Perspektivwechsel ein. Manche mentalen Wunden heilen schnell, andere begleiten uns über viele Jahre. Einige schließen sich nie vollständig. Resilienz bedeutet deshalb nicht, unverwundbar zu sein. Sie bedeutet auch nicht, Schmerz zu verdrängen oder immer positiv denken zu müssen.
Resilienz zeigt sich vielmehr darin, mit den eigenen Narben leben zu lernen. Sie zeigt sich in der Erkenntnis, dass wir selbst nach einem Scheitern nicht hilflos sind.
Wahre Stärke besteht sie darin, immer wieder aufzustehen, wie ein Käfer die Flügel auszubreiten und nach der nächsten Nektarquelle Ausschau zu halten, wenn die alte versiegt ist.
 

Herzlichst

Kerstin Pentermann