Verschneiter Garten im Winter mit Haus und Tannenbe4umen

Resilienzhäppchen 16 - Der Winter, der bleibt...

30. Januar 2026 | von Kerstin Pentermann

Ich war nie ein Wintermensch.
Schnee, Eis, Kälte — das waren für mich eher Dinge, die man übersteht, nicht genießt.
Meine Pudelin sieht das anders. Sie springt durch die weißen Hügel und freut sich am Schnee. Und ich stehe daneben und frage mich, wie man Kälte so lieben kann.
In diesem Jahr hat der Winter mir etwas beigebracht:
Es gibt Dinge, die wir nicht ändern können.
Das Wetter gehört dazu.
Und vielleicht auch manches in unserem Leben.
Als das Auto eingeschneit in der Garage stand, musste ich improvisieren.
Die Pizza schmeckte plötzlich auch ohne Tomaten.
Brokkoli aus dem Tiefkühlschrank wurde zur Lösung.
Ich habe meine Nachbarn häufiger gesehen als sonst.
Mit Schneeschaufel in der Hand.
Wir haben uns zugelächelt, ein paar Worte gewechselt.
Und als ich von einer Reise zurückkam und der Schnee vor meiner Haustür schon geräumt war, war da plötzlich Dankbarkeit.
Und manchmal entsteht Nähe.
Wenn man mit der älteren Dame von nebenan Aufbackbrötchen teilt, weil niemand bei Eisregen zum Bäcker gehen kann.
Wenn man merkt, dass wir einander mehr brauchen, als wir denken.


Menschen, die sich für den Mittelpunkt der Welt halten,
rutschen aus und fallen.
Ganz menschlich.


Der Winter macht etwas mit uns.
Er relativiert.
Er bremst.
Er zwingt zur Demut.
Der Winter schenkt Zeit zum Nachdenken.
Über den eigenen Alltag.
Über das, was gerade in der Welt geschieht.
Über das, was wirklich zählt.


Ich freue mich auf das Frühjahr.
Auf das erste Grün im Gewächshaus.
Aber ich weiß:
Gerade dieser Winter wird mich durch das Jahr begleiten.
Als Erinnerung daran, dass wir wachsen können, gerade dann, wenn wir anderes handeln müssen, als wir wollen.
 

Herzlichst

Kerstin Pentermann